Auf einmal Arbeitslos – was kann ich tun?

Die Situation, plötzlich mit einem Jobverlust konfrontiert zu sein, kann bei vielen zu großen Ängsten und Unsicherheiten führen. Doch steck‘ nicht den Kopf in den Sand – du stehst nämlich nicht komplett alleine da!  Es gibt zahlreiche Angebote und auch Hilfe vonseiten des Staates, um diese schwierige Phase sinnvoll zu nutzen. Wir möchten dir in diesem Artikel aufzeigen, wie du vorgehst, wenn du dich arbeitssuchend meldest, Arbeitslosengeld beantragen willst oder wie du dich in der Arbeitslosigkeit weiterbilden kannst oder dich selbstständig machen ohne Eigenkapital. 

Arbeitslos oder arbeitssuchend: Was ist der Unterschied? 

Bei Jobverlust solltest du dich in der Regel sowohl arbeitslos als auch arbeitssuchend melden. Tust du das nicht, wirkt sich das negativ in Form von Kürzungen auf dein Arbeitslosengeld aus. Der Unterschied lässt sich folgendermaßen erklären:

Arbeitsuchend = auf der Suche nach Arbeit. Jemand gilt als arbeitssuchend, wenn er noch im Job ist, aber sich bei der Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet hat.

Arbeitslos = ohne Arbeit. Als arbeitslos gilt, wer keinen Job hat. 

Arbeitssuchend melden

Wie und Wann du dich arbeitssuchend meldest: Dir wurde gekündigt oder du weißt , dass der befristete Arbeitsvertrag ausläuft? Dann musst du dich bei der Agentur für Arbeit melden. Dies kannst du ganz einfach online auf der Homepage, schriftlich, telefonisch oder persönlich tun. Ob du dann in die Erwerbslosigkeit rutschst oder nicht, spielt für die Meldung bei der Agentur für Arbeit zunächst keine Rolle. Laut SGB III sollten folgende Fristen eingehalten werden, wenn du dich arbeitssuchend melden willst:

  • Spätestens 3 Monate vor Ende deines (befristeten) Arbeitsvertrages. 
  • Innerhalb von 3 Tagen bei einer kurzfristigen Kündigung. 

Arbeitslos melden

Wichtig zu wissen, wenn du dich arbeitslos meldest: Die Arbeitssuchendmeldung ist kein Ersatz für die Arbeitslosenmeldung. Spätestens am ersten Tag deiner Arbeitslosigkeit musst du dich persönlich bei deiner Agentur für Arbeit oder online arbeitslos melden. Danach kannst du das Formular zum Arbeitslosengeld ausfüllen.

Arbeitslosengeld beantragen

Grundsätzlich ist das Arbeitslosengeld dafür da, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung verlieren, finanziell und sozial abzusichern. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Das Arbeitslosengeld 1 als Hauptleistung der Arbeitslosenversicherung und das Arbeitslosengeld 2, besser bekannt als Hartz 4. 

ALG 1: Anspruch und Höhe

ALG 1 können alle Personen beantragen, die innerhalb der letzten zwei Jahre insgesamt mindestens 12 Monate lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben (mit und ohne Unterbrechungen). Bei Kündigung hast du einen sofortigen Anspruch auf Arbeitslosengeld, sofern du dich rechtzeitig arbeitslos gemeldet hast. Du erhältst 60 % deines Netto-Entgelts als Arbeitslosengeld, 67 %, falls du Kinder hast. Wenn du selbst klären möchtest, wie hoch dein Arbeitslosengeld ausfällt, kannst du den Arbeitslosengeld Rechner der Agentur für Arbeit nutzen. Die Ergebnisse des Arbeitslosengeld Rechners kann dir als Orientierungswert dienen, diese sind allerdings rechtlich nicht bindend.

Wichtig: Wenn du selbst gekündigt hast, musst du damit rechnen, vorerst vom Arbeitslosengeld gesperrt zu werden. Die Sperrzeit kann bis zu 12 Wochen betragen.

Bezugsdauer ALG 1 für Arbeitslose bis 50 Jahre und über 50 Jahre

Wenn du die 50 noch nicht überschritten hast, kannst du höchstens für die Dauer von 12 Monaten Arbeitslosengeld erhalten. Voraussetzung ist, dass du 24 Monate oder länger versicherungspflichtig beschäftigt warst. Warst du für den Mindestzeitraum von 12 Monaten versicherungspflichtig beschäftigt, kannst du bis zu 6 Monate Arbeitslosengeld beziehen.

Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes (ALG 1) dem Alter entsprechend an. Arbeitslose die 58 Jahre oder älter sind und mindestens vier Jahre versicherungspflichtig beschäftigt waren, erhalten die höchste Bezugsdauer von 24 Monaten. 

ALG 2 bzw. Hartz 4: Anspruch, Höhe, Bezugsdauer

ALG 2 als Sozialleistung soll den Lebensunterhalt für diejenigen sichern, die keine oder nur wenig Leistung aus der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung bekommen. So haben auch Arbeitnehmer einen Anspruch auf ALG 2, wenn das Gehalt nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Grundlegende Voraussetzungen sind dabei unter anderem, dass du erwerbsfähig bist, d.h. mindestens drei Stunden täglich arbeiten kannst und deine Hilfebedürftigkeit nachweist. Darunter versteht man, dass der Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen erbracht werden kann. 

Seit 2022 gilt ein Regelsatz in Höhe von 449 Euro im Monat pro Person. Bei Bedarfsgemeinschaften von zwei Personen erhalten beide jeweils 404 Euro. Für Kinder unter fünf Jahren gibt es 285 Euro, für Kinder von sechs bis 13 Jahren 311 Euro, für Jugendliche bis 17 Jahren 376 Euro. Hinzu kommen beispielsweise Kosten für die Miete und Heizung, Schulbedarf oder einmalige Anschaffungskosten für Geräte und Co.

Selbstfindung und beruflicher Neustart bei Erwerbslosigkeit

Sind die bürokratischen Hürden erledigt, kannst du dich grundlegenden Lebensfragen widmen. Wie soll deine weitere Zukunft aussehen? Hast du vielleicht Ideen und Pläne, die du in die Tat umsetzen möchtest? Willst du dich weiterbilden, erst einmal einen Auslandsaufenthalt machen, um den Kopf frei zu kriegen oder dich sogar selbstständig machen? All das sind wichtige Themen – vor allem dann, wenn die Jobsuche noch nicht ganz klappt. Folgende Tipps können für dich eine kleine Orientierung sein, um dich erst einmal zu ordnen und Ziele zu erreichen: 

1. Erkenne die Emotionen an und mach weiter

Unmittelbar nachdem du entlassen wurdest, erlebst du möglicherweise eine Reihe von Emotionen: Panik, Wut, Zukunftsangst. Anstatt sich in jeder Emotion zu verfangen, mach dir klar, dass diese normal sind, erkenne sie an und blicke in die Zukunft. Gespräche mit Gleichgesinnten oder Experten können dir bei der Bewältigung der Gefühle helfen. Beschäftige dich in dieser Phase noch nicht mit einer beruflichen Neuorientierung, sondern nimm dir die Zeit, deine Gedanken zu ordnen, um dann eine klare taktische Entscheidung treffen zu können. 

2. Teile das Erlebnis mit Familie, Freunden und Bekannten 

Auch wenn dein Selbstwertgefühl erschüttert ist und dir der derzeitige Status womöglich unangenehm ist, solltest du Freunden und Familie davon erzählen. Menschen wissen zu lassen, dass du für neue Möglichkeiten zur Verfügung stehst, ist der erste Schritt, um Unterstützung zu erhalten und deine Jobsuche in Gang zu bringen. Tipp: Wenn du darüber sprichst, konzentriere dich auf das, was du als Nächstes tun möchtest, und nicht auf das, was passiert ist.

3. Überprüfe deine Finanzen und erstelle ein Budget

Finde genau heraus, wie viel finanzielle Mittel dir zur Verfügung stehen, damit du keine Schulden zu einem Zeitpunkt anhäufst, an dem du es dir am wenigsten leisten kannst. Die Differenz zwischen dem Gehaltsscheck, den du nun nicht mehr hast, und dem, was du durch Abfindung oder Arbeitslosengeld erhältst, bestimmt, ob du einige Anpassungen an deinen Ausgaben vornehmen musst – und wie hoch diese sein sollten. 

4. Investiere in deine persönliche Entwicklung

Ein Auslandsaufenthalt ist trotz Arbeitslosigkeit möglich und kann ein guter Weg sein, um sich selbst besser kennenzulernen und neue Ideen zu entwickeln. Willst du dir diese Kosten sparen, kannst du auch mithilfe von Angeboten der Arbeitsagentur eine berufliche Neuorientierung angehen. Kostenlose Fördermöglichkeiten kannst du durch einen Bildungsgutschein oder einen AVGS Vermittlungsgutschein erhalten. Damit kannst du private Arbeitsvermittlungen, Umschulungen, individuelle Bewerbungscoachings, eine Heranführung an eine selbstständige Tätigkeit etc. bekommen.

Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung

Das Gute vorab: Sofern du alle Voraussetzungen erfüllst, besteht auch während der Zeit einer von der Agentur für Arbeit geförderten beruflichen Weiterbildung oder Umschulung der Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Bildungsgutschein oder AVGS Vermittlungsgutschein

Wenn du einen Bildungsgutschein beantragst, kann dir dieser von der Arbeitsagentur ausgestellt werden, wenn die Teilnahme an einer solchen Maßnahme aus einem der nachfolgenden Gründe notwendig ist: Berufliche Wiedereingliederung, Abwendung drohender Erwerbslosigkeit, Nachholen eines Berufsabschlusses. 

Mit dem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) kannst du an Coachings oder andere Qualifizierungen teilnehmen. Es werden private Jobvermittlungen gefördert, Probearbeiten ermöglicht, Bewerbungsgespräche geübt oder wichtiges Wissen vermittelt, wenn du dich selbstständig machen willst – je nachdem, welche AVGS Version auf dich zutrifft. Wenn du einen AVGS beantragen willst, musst du dich an deinen Berater bei Jobcenter oder das Arbeitsamt wenden (Link: AVGS beantragen). 

Existenzgründung: Selbständig aus der Arbeitslosigkeit

Eine Existenzgründung kann womöglich für viele Betroffene eine sinnvolle Alternative sein, um ihre Erwerbslosigkeit zu beenden. (Link: Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit) Die Entscheidung sollte allerdings gut überlegt sein. Die Bundesagentur für Arbeit kann zur Förderung der Existenzgründung den Gründungszuschuss aus Arbeitslosengeld 1 oder das Einstiegsgeld aus Arbeitslosengeld 2 (Link: Einstiegsgeld) bewilligen.

Wie werde ich Existenzgründer? Wir bieten kompetente Hilfe zum beruflichen Neustart 

Bei der Vorbereitung Ihres Gründungsvorhabens kannst du dich auch von Unternehmens- bzw. Existenzgründungsberatern helfen lassen. Diese Beratungsleistungen sind kostenpflichtig. Eine Reihe von Bundesländern bietet daher einen Zuschuss zu den Beratungskosten oder kostenfreie Beratungsleistungen an. Bevor du eine kostenpflichtige Beratung in Anspruch nimmst, nutze besser zunächst die kostenfreien Beratungsangebote, die es in deinem Bundesland bzw. deiner Kommune oder Region gibt. Die Adressen findest du im Gründerportal deines Bundeslandes.

Du willst mit deiner Idee durchstarten?

Dann maximiere jetzt deine Chancen und lass dir von unseren Gründerprofis helfen. Vereinbare hier eine kostenfreie Beratungsstunde!

Noch Fragen?

Falls du dir unsicher bist, ob du einen Bildungsgutschein beantragen kannst oder ein AVGS für dich infrage kommt, suche ein Beratungsgespräch bei deiner Vermittlungsfachkraft auf oder informiere dich bei uns zum Thema AVGS und Existenzgründung. 

Wir haben es uns als Weiterbildungsinstitut zum Ziel gesetzt, unternehmerisches Wissen zu teilen und eine innovative, zukunftsorientierte Wirtschaft zu fördern. Das bedeutet auch, smarte Köpfe wie dich zu unterstützen. Deshalb fokussieren wir uns seit einiger Zeit neben dem klassischen Präsenzunterricht auf Online-Kurse.

Unsere Weiterbildungen werden von der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern zu 100 % gefördert, sofern du die Kriterien als Kursteilnehmer/in erfüllst. Details zu Finanzierungsmöglichkeiten erhältst du in einem persönlichen und kostenlosen Beratungsgespräch.